70 Jahre Göllerhütte

Ein Jahr nach Kriegsende wurde in St. Pölten eine Ortsgruppe der Naturfreunde gegründet. Schon drei Jahre später wurde unter dem ersten Obmann Johann Erhart der Beschluss gefasst, am Göller eine Naturfreunde-Schutzhütte zu errichten. Die Hütte war über Kernhof, das seit 1893 Endstation der Traisentalbahn war, gut von St. Pölten aus zu erreichen.

Nach einem Jahr Vorbereitung begannen unter schwierigen Bedingungen die Bauarbeiten – 1949 gehörte Niederösterreich ja noch zur russischen Besatzungszone. Die Naturfreunde-Pioniere ließen sich nicht entmutigen und so konnte am 9. September 1951 das Göller-Schutzhaus mit einem großen Almfest feierlich eröffnet werden.

goellerhuette in den anfangsjahren.jpg

Durch die perfekte Lage und der sich rasch verbessernden wirtschaftlichen Situation avancierte die Göllerhütte zum beliebten Ausflugsziel, sodass die Hütte bald zu klein wurde. Anfang der 1970er wurde die Hütte vergrößert. Die Küche wurde ausgebaut, es kamen zwei Schlafräume für die Bewirtschafter dazu, ein darunter errichteter neuer Keller diente als Lager- und Vorratsraum. Ein zweites Matratzenlager ermöglichte mehr Personen die Übernachtung. Das Wasser wurde nun in einer Zisterne mit einem Fassungsvermögen von ca. 4.900 Litern gesammelt.

Der Eingang zur Hütte wurde nach hinten auf die wetterabgewandte Seite verlegt. Dadurch konnte auch ein Schutzraum eingerichtet werden, der Wanderer außerhalb der Öffnungszeiten der Hütte zur Verfügung steht. Eine neue Materialseilbahn über die Hauswiese und eine erste Photovoltaik für die Stromerzeugung erleichterten die Arbeit der freiwilligen Helfer enorm. Möglich wurde dies vor durch den großen Einsatz der St. Pöltner Naturfreunde-Mitglieder, die allesamt nur für „Speis und Trank“ arbeiteten.

20160903_074233.jpg

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Gäste- und Nächtigungszahlen der Göllerhütte weiterhin sehr positiv, sodass man sich 2002 zum nächste Ausbauschritt entschloss. Unter der Leitung des langjährigen Hüttenwarts Erwin Burger wurde die Gaststube vergrößert und neu eingerichtet, neue Fenster und Türen in der ganzen Hütte wurden montiert.

Nach mehreren Blitzschlägen wurde im Jahr 2005 die „alte“ Photovoltaik – Anlage getauscht werden. Die neue Anlage produzierte nun genug Strom für die mehr werdenden Anforderungen. 2011 wurde die Küche umgebaut und eine Wasserentkeimungsanlage in die Zisterne eingebaut.

Der Umbau 2015 -2021

2015 begannen unter der Führung des unermüdlichen Hans Pelzer die Planungen für einen erneuten Umbau, der die Göllerhütte im 21. Jahrhundert bringen sollte. 2016 starteten die Umbauarbeiten, von denen damals noch niemand wusste, dass sie sechs Jahre dauern würden.

2016 wurden die alten Sanitäranlagen in dreitägiger Arbeit von freiwilligen Helfern weggeschrämt und das Abbruchmaterial mit Kübeln, Schiebtruhen und der Materialseilbahn die steile Hauswiese hinuntertransportiert. In umgekehrter Richtung wurden für das Fundament des neuen WC-Traktes – nicht minder beschwerlich - 105 Sack Zement, 200 Schalsteine, Eisen und Schaltafel hinauf zur Hütte gebracht. Erst für das Betonieren der Bodenplatte und der Stützmauer wurde auf Technik gesetzt. Ein Hubschrauber transportierte in rund 60 Flügen den Beton vom Tal zur Hütte. Alle zwei Minuten rauschte ein Hubschrauber mit einem knappen Kubikmeter Beton aus dem Tal heran und erledigte sich seiner Last präzise in sensationell kurzer Zeit.


2016 Hubschraubereinsatz
2016 Hubschraubereinsatz

Nach 60 Flügen war die Rückwand betoniert

2016 Rückwand wird betoniert
2016 Rückwand wird betoniert

Pro Flug kam ein Kubikmeter Beton auf den Berg

2017 Rohbau
2017 Rohbau

Auf die Firmen des oberen Traisentals war Verlass.

2016 Hubschraubereinsatz
2016 Hubschraubereinsatz

Nach 60 Flügen war die Rückwand betoniert

1/8

2017 starteten die Arbeiten mit Verspätung, weil ein Blitzeinschlag die Photovoltaikanlage zerstört hatte. Das Bettenlager an den Fensterseiten der Hütte wurden verkleinert, sodass vier neue Zweibett-Zimmer entstanden. Der neue Sanitärtakt wurde fertig gestellt und konnte ein Jahr später in Betrieb genommen werden. Auf Grund des fehlenden Kanalanschlusses werden die Abwässer aus der biologischen WC-Anlage den strengen Umweltschutzbestimmungen entsprechend entweder kompostiert oder über neue angelegte eine biologische Kläranlage vor der Hütte gereinigt.

2018 wurde um mehr Sonnenlicht und Frischluft ins Lager zu bekommen, das Dach mit Gaupen versehen.

2019 bekam die alte Göllerhütte ein neues Gesicht. Nachdem der neue Sanitärtrakt mit freundlichen hellen Lärchenschindeln eingedeckt wurde, wurden die alte Hüttenverbretterung abgerissen und durchgehend durch Lärchenschindeln ersetzt.

2020 stand die Modernisierung der Küche auf dem Programm. Bis auf den traditionellen Holzofen wurde die gesamte Kücheneinrichtung durch eine Nirostaeinrichtung ersetzt.

2021 zum 70-jährigen Jubiläum soll das Umbauprogramm abgeschlossen werden. Der Notausstieg wurde fertiggestellt Eine zusätzliche Photovoltaikanlage und eine Abtrennung im Schlaflager sollen in diesem Jahr umgesetzt werden.